Warum immer mehr Entwickler GitHub den Rücken kehren

Von hyretic

Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel „Why Developers Are Ditching GitHub for Codeberg and Self-Hosting Alternatives“ von Bobby Jack auf How-To Geek. Den Originalartikel findest du unter howtogeek.com.

GitHub ist das unangefochtene Zentrum der Open-Source-Welt. Mit über 600 Millionen Repositories und einer Milliarde Commits im Jahr 2025 scheint die Plattform unaufhaltsam zu wachsen. Doch unter der Oberfläche formiert sich Widerstand.

Einige hochkarätige Projekte haben den Dienst bereits verlassen. Das könnte der Beginn einer größeren Abwanderungswelle sein.

Key Takeaways / TL;DR

  • Prominente Abgänge: Projekte wie Ghostty, Zig und Tenacity kehren GitHub den Rücken.
  • Drei Hauptgründe: Zunehmende Ausfallzeiten, politische Entscheidungen seit der Microsoft-Übernahme und der KI-Fokus (Copilot) treiben Entwickler zu Alternativen.
  • Codeberg & Self-Hosting: Open-Source-Alternativen wie Codeberg (basierend auf Forgejo) und Gitea werden als neue Heimat immer beliebter.

Wenn die Großen gehen

Es wirkt fast so, als müsste jedes Open-Source-Projekt auf GitHub gehostet werden. Selbst der Linux-Kernel unterhält dort einen Read-only-Mirror. Doch das Bild wandelt sich.

Ein prominentes Beispiel ist Ghostty, ein plattformübergreifender Terminal-Emulator. Der Maintainer Mitchell Hashimoto kündigte im April 2026 an, dass das Projekt GitHub schrittweise verlässt. Ein Read-only-Mirror bleibt zwar erhalten, die eigentliche Entwicklung zieht aber um.

Auch Zig, eine Systemprogrammiersprache, die als C-Nachfolger gehandelt wird, gab Ende 2025 ihren Abschied bekannt. Das Projekt war seit 2015 treu auf GitHub. Der plattformübergreifende Audio-Editor Tenacity ging diesen Schritt bereits 2023. Dazu gesellen sich Projekte wie der Dillo-Webbrowser oder die Programmiersprache Hare.

Andere wie GNOME oder die Apache-Stiftung haben ihre Software ohnehin nie primär auf GitHub gehostet, sondern setzen seit jeher auf eigene Infrastruktur.

Warum Maintainer die Plattform verlassen

Die Gründe für die Abwanderung sind vielfältig, lassen sich aber in drei Kategorien einteilen.

1. Technische Qualität und Ausfälle

Die häufigste Beschwerde betrifft die Zuverlässigkeit. Laut IncidentHub verzeichnete GitHub im Jahr ab Mai 2025 insgesamt 112 Stunden Downtime in 48 großen Ausfällen. Diese Instabilität war ein wesentlicher Treiber für die Migrationen von Ghostty und Zig.

2. Der KI-Fokus

Künstliche Intelligenz spaltet die Entwicklercommunity. GitHub integriert Copilot immer tiefer in die Plattform. CEO Thomas Dohmke machte 2025 deutlich, dass Entwickler KI entweder annehmen oder ihren Beruf wechseln sollten. Diese aggressive Gangart stößt vielen Open-Source-Verfechtern sauer auf.

3. Politische und ideologische Differenzen

Die Microsoft-Übernahme hat das Vertrauen vieler Entwickler nachhaltig verändert. Umstrittene Verträge mit Behörden wie der US-Einwanderungsbehörde ICE sorgen regelmäßig für Kritik. Für das GNU-Projekt ist GitHub aus ideologischen Gründen tabu, da für die Nutzung nicht-freie Software in Form von JavaScript erforderlich ist und schlechte Lizenzpraktiken gefördert werden.

Mitchell Hashimoto fasst die Frustration vieler Entwickler treffend zusammen. Er beschreibt GitHub als einen Ort, an dem er nicht mehr sein möchte, weil die Plattform ihn daran hindere, seine Arbeit zu erledigen und Software auszuliefern.

Die Profiteure des Exodus

Wer GitHub verlässt, braucht eine Alternative. Codeberg hat sich hier als erste Wahl für viele Abgänger positioniert. Es bietet ähnliche Funktionen wie Issue-Tracking, statisches Seiten-Hosting und CI/CD, wird aber von einer gemeinnützigen Organisation betrieben. Codeberg nutzt unter der Haube Forgejo.

Daneben etablieren sich weitere Optionen. GitLab und Bitbucket bleiben die größten kommerziellen Konkurrenten. Wer die volle Kontrolle will, hostet selbst. Gitea und Forgejo sind hier beliebte Lösungen, die sich auf eigenen Servern betreiben lassen. Sourcehut bietet einen komplett quelloffenen Ansatz mit Fokus auf E-Mail-basierte Workflows.

So ziehst du dein Repository um

Reine Text-Zusammenfassungen bringen wenig, wenn du selbst vor der Frage stehst, wie du migrieren kannst. Der Umzug des reinen Git-Codes ist trivial. Mit den folgenden Befehlen änderst du die Origin-URL deines lokalen Repositories auf eine neue Plattform und pushst deinen Code dorthin:

# 1. Aktuelle Remote-URLs prüfen
git remote -v

# 2. Origin auf die neue Plattform ändern (Beispiel: Codeberg)
git remote set-url origin git@codeberg.org:dein-username/dein-repo.git

# 3. Alle Branches und Tags auf den neuen Server pushen
git push -u origin --all
git push -u origin --tags

Der schwierige Teil ist die Migration von Issues und Pull Requests. Hier bieten Plattformen wie Codeberg und GitLab eigene Import-Tools an.

3 Schritte zur Umsetzung deines Plattformwechsels

Wenn du evaluierst, ob GitHub noch die richtige Heimat für dein Projekt ist, starte strukturiert:

  • Anforderungen definieren: Brauchst du GitHub Actions oder reicht ein simpler Git-Server? Evaluier, welche Features für deinen Workflow zwingend erforderlich sind.
  • Alternativen testen: Setz lokal oder auf einem kleinen VPS eine Gitea- oder Forgejo-Instanz auf. Teste den Workflow mit einem kleinen Test-Repository.
  • Spiegelung einrichten: Mache nicht sofort den harten Schnitt. Richte auf der neuen Plattform einen Mirror ein, bevor du die Hauptentwicklung verlegst. So sicherst du dir einen doppelten Boden.

Müssen wir uns damit abfinden, dass unsere Infrastruktur zunehmend von einigen wenigen Tech-Giganten diktiert wird, oder ist die Rückkehr zu dezentralem Hosting die einzige logische Konsequenz für die Open-Source-Welt?

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum verlassen bekannte Projekte GitHub?

Die Hauptgründe sind technische Unzuverlässigkeit (Downtimes), politische Differenzen (Verträge mit Behörden) und die zunehmende Integration von KI wie GitHub Copilot.

Welche Plattformen sind die besten GitHub-Alternativen?

Codeberg ist aktuell sehr beliebt, da es Open Source und nicht-kommerziell ist. Weitere starke Alternativen sind GitLab, Bitbucket sowie selbstgehostete Lösungen wie Gitea oder Forgejo.

Wie aufwendig ist ein Umzug von GitHub zu einer anderen Plattform?

Das eigentliche Git-Repository lässt sich mit wenigen Befehlen umziehen. Aufwendiger ist die Migration von Issues, Pull Requests und CI/CD-Pipelines, was eine gute Planung erfordert.

Autor hyretic

Senior Full-Stack Developer mit Fokus auf stabiler Software-Architektur, pragmatischem Engineering und der Realität von KI im Entwickler-Alltag. Seine Wurzeln liegen im praktischen Lösen komplexer Probleme unter realen Bedingungen.

github.com/hyretic-dev

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